Friseur Termine sind Folter!
10. Oktober 2008 | Von harry | Kategorie: VermischtesMeistens zögere ich sie solange heraus, bis das Resthaar Massaker
auf meiner Rübe wirklich skurrile Formen angenommen hat.
Dann bewaffne ich mich mit einer eigenen Zeitschrift und marschiere los.
Es fällt Männern in der Regel nämlich ziemlich schwer sich glaubhaft
auf einen Artikel über die Ehe von Caroline von Reibach und Fehlfried von Freitod
zu konzentrieren!
Ist Euch mal aufgefallen auf welche Zielgruppen es ausnahmslos
alle Friseurgeschäfte exklusiv abgesehen haben?
Da braucht Ihr Euch nur die Zeitschriften anzuschauen!
Männer zwischen 30 und 100 Jahren finden da höchstens mal
irgendwo ein Kreuzwort Rätsel und das ist dann bereits
mit zittriger Omi Sütterlin-Schnörkel Schrift komplett ausgefüllt.
Überhaupt sind Friseur Geschäfte, das reinste Matriarchat.
Da ich das weiß, versuche ich es deshalb immer so kurz und unkompliziert
wie möglich zu machen.
Eine Taktik, die sich leider in keinster Hinsicht bewährt hat.
Mein aktueller Haar Schnitt stellt das mal wieder prätentiös unter Beweis!
Ich werde zum Beispiel grundsätzlich immer von der jüngsten Kraft
im Laden bedient.
Dieses Mal war es ein magersüchtiges, hypernervöses Lehrmädchen,
das gerade vor 10 Minuten von der Chefin übelst fertig gemacht wurde.
Ich spürte förmlich wie die Luft noch brannte und dann hörte
ich die unsichere Pieps Stimme des Lehrmädchens sagen;
“Sie können ja schon mal Platz nehmen.”
Herrlich, wie ich das liebe!
Das arme Ding stolperte gerade mit einer Affen Geschwindigkeit mit
einem Cappuccino heran, den ich nicht bestellt hatte und
dann nahm das Elend auch schon seinen Lauf.
Natürlich flog alles scheppernd auf den Boden und die Kleine
war kurz davor psychisch zu dekompensieren.
Im Hintergrund hörte ich die Meisterin mit zischender Stimme.
Jetzt darf nichts mehr passieren dachte ich und beschloss der
zufriedenste Kunde des Tages zu werden, egal was das Schicksal
auch noch für mich bereithalten würde.
So kam es dann auch.
Als das arme Ding mit zittrigen Händen unsicher anfing meine
Haare zu bearbeiten ahnte ich Ungemach.
Ein paar Sekunden später durchzuckte mich dann auch schon
ein kurzer Schmerz an der linken Schläfe.
Im Spiegel sah ich ein kleines Rinnsal Blut meine Wange hinunterlaufen.
Oh Gott, das darf die Kleine nicht merken war mein erster Gedanke.
Also habe ich meine Hand ganz schnell an die Schläfe gepresst,
Kopfschmerzen vorgetäuscht und gleichzeitig die Blutung
mit dem Daumen abgedrückt.
In der Körperhaltung war Haare schneiden natürlich nicht mehr möglich,
deshalb habe ich erst mal um eine Aspirin gebeten, um Zeit zu gewinnen.
Zum Glück hat sich die Sache dann wieder beruhigt, Angie das Lehrmädchen auch.
Ein wenig zumindest.
Wir konnten also weiterarbeiten und kamen prima voran,
weil ich Angie für jeden gelungenen Schnitt lauthals lobte.
Man glaubt gar nicht wie sehr positive Motivation die Menschen beflügelt,
die Kurze gewann mit jeder Minute an Selbstsicherheit.
” Ne, suuper Angie.
Wirklich, ist mal ganz was anderes.
Ja, man muss sich nur mal kompetent beraten lassen.
Vielen Dank Angie, vielen Dank!
Toooll!”
Doch dann passierte es.
Wie Angie es schaffte meine Nase um nur einen Zentimeter zu verpassen,
ist mir bis heute ein Rätsel.
Was wollte die da schneiden?
Nein, ich möchte es gar nicht wissen.
Auf jeden Fall bekamen wir es mit einer neuen und wesentlich spritzigeren
Blutungs Quelle zu tun.
Die konnte ich vor Angie nicht verbergen, wie ich dem von
Entsetzen geweiteten Augen hinter mir leicht entnehmen konnte.
Es ging nun nur noch darum das Gemetzel vor der Zicke geheim zu halten,
also stürzte ich sofort in das Gäste WC.
Dort war ich erst mal sicher.
Dummerweise ließ mich meine Blut Gerinnung schwer im Stich.
Selbst nach geschlagenen zehn Minuten hörte der blöde Schnitt
nicht auf zu bluten.
Langsam wurde es peinlich.
Nach zwanzig Minuten war ich dann endlich wieder vorzeigbar.
So zog ich dann ganz lässig zur Kasse um die Sache gnädig zu Ende zu bringen.
Die Chefin kam und ich setzte mein strahlendste Sieger Lächeln auf, das ich drauf hatte..
Sie musterte mich skeptisch und meinte;
” Soll ich da die Konturen nicht schnell noch etwas beischneiden?”
“Nein”, versicherte ich.
“Genauso wollte ich es haben, einfach perfekt.
Ganz toll, wirklich!”
Dabei bin ich mir dann ganz demonstrativ mit den Fingern durch die
Spar Frisur gegangen, die mir Angie verpasst hat.
Das hätte ich besser nicht getan.
Irgendwie bin ich damit wohl versehentlich an einen der Schnitte geraten.
Auf jeden Fall begann die Blutung genau in dem Augenblick, als
ich gerade mein Trink Geld in die Spardose warf und Angie zum Abschied
noch einmal so richtig loben wollte.
“Oh, ich habe mich wohl beim Rasieren geschnitten”, versicherte ich der Chefin
während ich den Laden eilig verließ.
Dann fing auch die zweite Stelle wieder an zu bluten.
Wie auch immer.
Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf das Alter in dem ich meine Haare
einfach in der Reinigung abgeben kann!









Super geschrieben. Hab mich wieder bestens amüsiert.
Da ich Friseurtermine nur noch aus der Vergangenheit kenne, war das genau das richtige deja vu für juckende Haare im Nacken und Kragen, die einen Friseurbesuch genauso angenehm machten wie einen Besuch im Stadion, wenn mein Lieblingsverein mal wieder 0:4 unterging.