Voll Beschäftigung: “Stunt Jobbing”.

15. August 2008 | Von harry | Kategorie: Vermischtes

So, nun ist es also so weit.
Mein erster Tag als “Stunt Jobber” in der Straßenbahn.
Ein wenig nervös bin ich schon, werde ich den harten körperlichen
Anforderungen gewachsen sein?
Habe ich mich vielleicht doch überschätzt?
Bei den Vorbereitungen verlief alles beinahe zu glatt.


© Sybille / PIXELIO

Die Arge hatte direkt eine Stelle für mich.
Die nennen das “In öffentlichen Verkehrsbetrieben Flaschen und Unrat beseitigen,
als berufsintegrierende Maßnahme, oder so ähnlich.
Protektoren und Motorrad Helm habe ich noch im Keller gefunden.
Der 6er Pack Kölsch steht bereit(Ja, “Kölsch”, so viel Patriotismus muss sein!)
Eigentlich kann nichts mehr schief gehen.

5.00 Uhr;
Der Wecker schellt.
Ich muss zwar erst um 8.00Uhr anfangen, aber mit dem 6er Pack Bier
erwartet mich bereits die erste Herausforderung des Tages.
Schon nach zwei Flaschen beginne ich zu schwächeln.
Habe ich mir zu viel zugemutet?
Nein, ich gebe mich nicht geschlagen, obwohl ich eigentlich gar nicht trinke.

6.30 Uhr
Ich habe den Eindruck, die zwei übrigen Flaschen grinsen mich diabolisch an.
Aber das ist natürlich Quatsch.
Flaschen können ja gar nicht grinsen, oder?
Beherzt greife ich zum Flaschenöffner und gebe ihnen den Rest.
Nicht mit mir Freunde!

7.15 Uhr
Ich bin fertig, in jeder Hinsicht!
Voll bin ich jetzt, fehlt nur noch die Beschäftigung.
Nun nur noch Helm und Protektoren in die Tasche packen und los ins
Straßenbahn Depot.

7.35 Uhr
Ich hätte den Helm besser schon angezogen.
Überall werden in diesem sch…. Land Türen hingebaut, nur wenn man mal eine
braucht ist keine da!

8.00 Uhr
Pünktlich auf die Minute.
Der Vorabeiter wundert sich etwas über meine Knie und Ellbogen Schützer.
Auch der Helm wäre nicht gerade normal.
Ob ich besoffen wäre?
Nein, versichere ich glaubhaft.
Ich wanke so, weil ich gegen eine Wand gelaufen bin und deute auf meine riesige Beule.
Das hat ihn dann überzeugt und ich erhalte meine Tour.

8.15Uhr
Jetzt ist es so weit.
Wie ein riesiges, bedrohliches Ungetüm rollt die Linie 18 auf die Haltestelle zu.
Ich habe Mühe mich auf den Beinen zu halten, mit festem Griff umklammere ich
den Müllsack.
An meinem grellen Overall bin ich doch als öffentlicher Bediensteter für jeden Deppen
zu erkennen, warum glotzen die Leute bloß so?
Ach so, ja, die Beule!

8.16 Uhr
Der Aufstieg in das letzte Abteil war Kräfte,- und Geduld raubend,
besonders für den Fahrer!

8.30 Uhr.
Die Bahn setzt sich mit vierzehn Minuten Verspätung in Bewegung.
Eine Tür im letzten Abteil ließ sich nicht schließen.
Einer sagt, da hätte ein Besoffener fest gehangen.
Lächerlich, den hätte ich doch gesehen!

8.32
Habe meinen ersten Gegner bereits fest im Blick.
Provozierend rollen im zweiten Abteil zwei Cola Flasche hin und her.
Und das irre dabei, exakt parallel zueinander.
Hin, her, hin, her……..
Verstehe, Verwirrungs Taktik.
Da hilft nur ein Überraschungsangriff!
Ich tue so als würde ich sie gar nicht bemerken und bewege mich so lässig,
wie es in meinem Zustand möglich ist auf sie zu.
Dann ein kurzer Anlauf und ich katapultiere mich geradezu durch die Luft.
Adrenalin und Alkohol durchströmen meinen Körper.
Wie in Zeitlupe durchschneidet mein Luxus Körper die Luft, die beiden Flaschen fest im Blick.
Bis, ja bis mir der massige Gangsta Rapper fünf Reihen vor mir plötzlich die Sicht versperrt.

8.50 Uhr
Habe die Bahn gewechselt.
Auf Cola Flaschen ist sowieso Pfand, die nimmt bestimmt auch gleich jemand mit.
( Wie den Gangsta Rapper!)
Dieses mal geht die Fahrt nach Hause.
Der Vorarbeiter hat mich über Handy angerufen und gemeint ich wäre für die Stelle
überqualifiziert.
Zuerst habe ich darauf bestanden weiter zu arbeiten.
Da meinte er ich solle zuhause bleiben und für schwere Fälle in Telefon Bereitschaft
bleiben.

9.20 Uhr
Endlich zu Hause.
Mir ist übel und ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen.
Wie schaffen die Jungs das bloß den ganzen Tag?
Die tragen nicht mal Helme!
Jetzt kann ich nicht mal in die Apotheke um mir Aspirin zu holen.
Was ist wenn die Stadt Köln mich plötzlich dringend braucht?
Der Akku von meinem Handy ist leer.

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